Behandlungen

Lungenkrebs-Stadien erklärt: von Stadium 0 bis Stadium IV

Veröffentlicht 2026-07-15 · 10 Min. Lesezeit

Die Stadieneinteilung beim Lungenkrebs zeigt dem Behandlungsteam, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, und bestimmt jede Therapieentscheidung. Sie gibt Ihnen und Ihrer Familie zugleich eine realistische Vorstellung davon, was zu erwarten ist. Die moderne Stadieneinteilung ist präziser denn je — und moderne Therapien haben die Aussichten in jedem Stadium verbessert, besonders in den fortgeschrittenen.

Zwei Hauptformen: NSCLC und SCLC

Etwa 85 % der Lungenkarzinome sind nicht-kleinzellig (NSCLC): Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom oder großzelliges Karzinom. Die übrigen 15 % sind kleinzellige Lungenkarzinome (SCLC), die schneller wachsen und anders behandelt werden. Beide haben eigene Einteilungen; das NSCLC folgt dem unten beschriebenen TNM-System.

Das TNM-System

  • T (Tumor): Größe und örtliche Ausbreitung (T1–T4)
  • N (Lymphknoten): ob und welche Lymphknoten befallen sind (N0–N3)
  • M (Metastasen): ob der Krebs in entfernte Organe gestreut hat (M0 oder M1)

Diese drei Buchstaben ergeben zusammen das Gesamtstadium (I–IV).

Stadium 0 — Carcinoma in situ

Die Krebszellen sind auf die oberste Schicht der Atemwegsschleimhaut begrenzt. Eine Operation oder bronchoskopische Abtragung ist nahezu immer heilend.

Stadium I — lokal begrenzt, keine Lymphknoten

Der Tumor ist klein (≤ 4 cm) und hat keine Lymphknoten erreicht. Standard ist die Operation (Lobektomie). Für nicht operable Patienten erzielt die stereotaktische Strahlentherapie (SBRT) vergleichbare Ergebnisse. 5-Jahres-Überleben: 68–92 %.

Stadium II — größerer Tumor oder Befall benachbarter Lymphknoten

Der Tumor ist größer (4–7 cm) oder hat die Hiluslymphknoten derselben Seite befallen. Behandelt wird operativ, gefolgt von adjuvanter Chemotherapie (mitunter auch Immuntherapie). 5-Jahres-Überleben: 53–60 %.

Stadium III — lokal fortgeschritten

Der Krebs hat sich im Brustkorb weiter ausgebreitet — auf mediastinale Lymphknoten (N2 oder N3) oder in benachbarte Strukturen. Stadium III wird je nach Komplexität in IIIA, IIIB und IIIC unterteilt. Behandelt wird meist mit einer Kombination aus Chemotherapie, Bestrahlung und (seit den 2020er-Jahren) Immuntherapie — Durvalumab nach Radiochemotherapie ist heute Standard. Das 5-Jahres-Überleben ist auf 26–36 % gestiegen, deutlich besser als vor zehn Jahren.

Stadium IV — metastasiert

Der Krebs hat die andere Lunge, entfernte Lymphknoten oder andere Organe befallen (Gehirn, Leber, Knochen, Nebennieren). Eine Heilung ist selten, doch gerade im Stadium IV gibt es die größten Fortschritte. Die molekulare Testung ist entscheidend: Weist Ihr Tumor eine EGFR-, ALK-, ROS1-, KRAS-G12C- oder eine andere behandelbare Mutation auf, können zielgerichtete Tabletten die Erkrankung jahrelang kontrollieren. Bei Tumoren ohne Treibermutation hat die Immuntherapie — allein oder mit Chemotherapie — das mediane Überleben von 12 Monaten (vor zehn Jahren) auf 22–30 Monate verlängert. Manche Patienten leben mehr als fünf Jahre.

Was Überlebenszahlen wirklich bedeuten

Veröffentlichte 5-Jahres-Überlebensraten sind Durchschnittswerte von Patienten, deren Diagnose 5–10 Jahre zurückliegt. Sie bilden die Therapien von heute nicht ab. Wenn Sie gerade erst die Diagnose erhalten haben, sind Ihre Aussichten wahrscheinlich besser als die Statistik. Entscheidend sind: Ihr genauer Subtyp, Ihre Biomarker, Ihr Allgemeinzustand und das Team, das Sie behandelt.

Häufig gestellte Fragen

Wofür stehen T, N und M genau?

T beschreibt Größe und lokale Ausdehnung des Tumors, N den Befall und die Lage der Lymphknoten, M eine Streuung in entfernte Organe. Zusammen ergeben sie die Stadienzahl — und maßgeblich für die Therapie ist die Kombination, nicht ein einzelner Buchstabe.

Ist Lungenkrebs im Stadium IV noch behandelbar?

Ja — behandelbar ist nicht gleich heilbar. Zielgerichtete Therapien bei EGFR-, ALK- oder ROS1-Veränderungen und Immuntherapie bei PD-L1-positiven Tumoren haben das Stadium IV für viele Patienten zu einer Erkrankung gemacht, mit der sie jahrelang leben; das Ziel sind Kontrolle und Lebensqualität.

Kann sich das Stadium nach der Operation ändern?

Häufig ja. Das vor der Operation vergebene Stadium ist klinisch und beruht auf Bildgebung; das pathologische Stadium ergibt sich aus dem Befund am entfernten Gewebe und den Lymphknoten und ist genauer. Es entscheidet auch darüber, ob anschließend eine Chemotherapie empfohlen wird.

Brauche ich vor Therapiebeginn eine Biomarkertestung?

Beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom ja. Der Status von EGFR, ALK, ROS1, BRAF, KRAS und PD-L1 kann die Erstlinientherapie vollständig verändern; eine Tablette kann die Chemotherapie ersetzen. Fragen Sie, ob ein vollständiges Panel bestimmt wurde, und lassen Sie sich den Befund geben.

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